Bibeln in den Sammlungen der Elbinger Stadtbibliothek (XV-XVIII w.)
2009-06-24
Der Kern der alten Bestände der Elbinger Bibliothek sind die alten Drücke aus den ehemaligen Gimnasial- und Stadtbibliothek. Das Katalog der Elbinger Stadtbibliothek registrierte im Jahre 1894 91 Bibelexemplare als Gesamtausgabe des Alten und Neuen Testaments und 82 Bände des Alten und Neuen Testaments in der separaten Ausgabe, darunter 14 Bibeln die nach 1800 erschienen. Bis zum heutigen Tage blieben in unserer Buchsammlung 165 Bibelausgaben aus dem XV.-XVIII. Jahrhundert erhalten, was etwa 2 Prozent der alten Buchsammlung macht. Die Mehrheit davon sind die Bibel in Deutsch, vor allem protestantische. Das sind nicht immer Volltexte des Alten und Neuen Testaments, manchmal gibt es nur einzelne Bücher oder sogar nur Abschnitte. Nicht jede mehrbändige Edition blieb komplett erhalten. Man kann hier auf die große Vielfältigkeit der Bibeln in chronologischer Übersicht stoßen, es gibt Exemplare in verschieden Sprachen und Dialekten verfasst und in verschieden Normgrößen: von großen Folianten an bis kleinen Taschenausgaben. Man kann sowohl reich illustrierte, mit Kupferstichen und Holzstichen verzierte  als auch schlichte, zum täglichen Gebrauch bestimmte Bücher bewundern. Leider blieb keine der handgeschriebenen Bibel in den Sammlungen der Bibliothek erhalten. Die Druckbibeln  umfassen 3 Frühdrücke (Inkunabeln) und 162 Bibeln aus dem XVI.-XVIII. Jahrhundert. Die älteste Bibel in unseren Sammlungen ist die deutsche Bibel 1476-1478 vom deutschen Druckmeister Johann Sensenschmidt aus Eger herausgegeben. Sie enthält zahlreiche handbemalte Holzschnitte und Schmuckinitialen. Der Besitzer dieser Bibel war Elbinger Bürgermeister Carl Ramsey der Jüngere. Die Bibeln aus dem XVI. und XVII. Jahrhundert sind in Deutsch, Latein, Hebräisch, Griechisch und Syrisch veröffentlicht. Es kommen auch erste Übersetzungen in Nationalsprachen vor: die Bibel in Tschechisch und Kroatisch sowie die Bibeln- Polyglotten (mehrsprachige). Eine der schönsten Bibeln in den Sammlungen der Bibliothek ist die protestantische Bibel vom Martin Luther übersetzt, 1545 in Wittenberg herausgegeben. Sie ist wunderschön verziert, hat Schmuckinitialen und handbemalte Holzschnitte. Aufmerksamkeitswert ist auch die Bibel-Polyglotte, 1568-1573 im bekannten Antwerpener Plantins Verlag herausgegeben. Sie enthält Texte des Alten Testaments in Hebräisch, Aramäisch, Griechisch und Latein. Sie gehörte dem Elbinger Ratsherrn Andreas Morenberg. Auf der Vortitelseite der Bibel befindet sich das handbemalte Wappenexlibris des Besitzers. Unter den sechzehnhundertjährigen Bibeln hat die wallische 1689 in London herausgegebene Bibel   einen großen  Wert. Die erste Besitzerin dieser Bibel war Maria, die englische Königin, Ehefrau Wilhelms des II. von Oranien. Auf dem Einband sieht man das mitten im Spiegel gepresste Monogramm der Königin mit einer Krone. Der nächste Besitzer war der Stettiner Bibliophil Jacob Perard, der die Bibel der Elbinger Gymnasialbibliothek schenkte. Die zahlreichste Gruppe in der Bibelsammlung sind die Bibeln aus dem XVIII. Jahrhundert. Darunter überwiegen die Bibeln in deutsch, griechisch, englisch, französisch . Es gibt auch eine Bibel in litauisch und die einzige polnische Bibel von Jacob Wujek übersetzt. Orientalische Übersetzungen werden von der Bibel in tamilischer und „malabarischer“ Sprache vertreten. Das interessante Beispiel ist die so genannte Bibel-Pentapla 1710-12 in Hamburg herausgegeben. Es besteht aus 5 Teilen: der erste Teil - die römisch-katholische Übersetzung, der zweite Teil: die evangelisch- luteranische Übersetzung, der dritte Teil – die evangelisch - reformierte Übersetzung, der vierte Teil: die hebräische Übersetzung, der fünfte Teil - die niederländische Übersetzung. Die Bibeln wurden von den Professoren des hiesigen Gymnasiums, Geistigen, Stadtbeamten, Ärzten und reichen Bürgern gesammelt. Zu den Elbinger Bibliophilen gehörten u. a.: David Braun, Johann Daniel Hoffmann, Georg Daniel Seyler, Carl Ramsey, Samuel Meienreis, Stefan Loitz und viele andere. Die Schicksäle der Bücher nach dem Tode der Besitzer spielten sich verschieden ab. Viele von ihnen gelangen zur Gymnasialbibliothek und Stadtbibliothek, wo sie heute dank der entsprechenden Versorgung die nächsten Generationen der Elbinger erfreuen können.
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